Story

 Frauen aus Meghalaya erzählen...

Meghalaya - dieses Wort habe ich zum ersten Mal im August 2015 gehört, als mich eine deutsche Studentin aus Shillong, der Hauptstadt vom Meghalaya, anrief und fragte, ob ich an Eriseidenstoffen interessiert bin. Sie erstelle gerade ihre Bachelorarbeit zum Thema "Eriseide und die Vermarktungsmöglichkeiten in Europa". So bin ich auf Meghalaya aufmerksam geworden und habe seidem das Land und seine Menschen kennen und lieben gelernt.

 

 

Wer lebt dort?

Meghalaya ist ein kleiner Bundesstaat im Nordosten Indiens, weitab von Bollywood und völlig anders, als wir uns Indien üblicherweise vorstellen. Die Landschaft ist eine liebliche Mischung aus La Palma und Toskana mit vielen klaren Gewässern. Man schüttelt sich die Hand zur Begrüßung und Verabschiedung und mindestens am Sonntag sind alle Kirchen, katholisch wie auch protestantisch, bis zum letzten Platz gefüllt.

 

Und Meghalaya bietet noch eine Besonderheit: Die Menschen leben in einer matrilinearen Kultur! Es gibt nur wenige Gruppen auf der Erde, in denen diese spezielle Gesellschaftsform zu finden ist. Matrilinear bedeutet: Die Frau ist das Oberhaupt der Familie. Sie sorgt für alle Mitglieder (der Großfamilie), ihr gehören Haus und Hof und sie verwaltet das Geld und das Eigentum der Familie. Dieses Amt, in der Stammessprache Khasi wird es "Kaddu" genannt, wird von der Muttel immer der jüngsten Tochter übergeben. Sie lebt am längsten bei der Mutter und hat am meisten von ihr gelernt, um sich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Wenn ein Mann heiratet, zieht er zu seiner Frau ins Haus. Wenn er sich trennt, muss er wieder ausziehen, ohne Ansprüche am Eigentum der Familie zu haben.

 

Die Situation jetzt

Meghalaya heißt "Heimat der Wolken". Wolken gibt es immer noch sehr viele, doch das Klima hat sich langsam und inzwischen deutlich sichtbar gewandelt! Der globale Klimawandel bringt weniger Niederschläge in den Nordosten Indiens und die Temperaturen steigen an. Viele Bereiche der Landwirtschaft leider unter der Trockenheit, besonders der Reisanbau und die Fischzucht. Die Vegetation verändert sich und viele Familien können sich nicht mehr selbst versorgen. Einzig und allein die Seidenzucht - seit altersher für die Herstellung der traditionellen Kleidung und zur Deckung des Eiweißbedarfs in der Ernährung betrieben - ist davon nicht betroffen. Das Futter für die Seidenraupen wächst wild, das Wachstum ist kaum niederschlagsabhängig, und höhere Temperaturen sind bei der Eriseidenzucht eher hilfreich.

 

Die Idee

Die handwerklichen Fähigkeiten und die Erfahrung in der Herstellung von Textilien aus Eriseide sind weit verbreitet. Die Frauen der Khasi und Garo züchten zu Hause die Eriseidenraupen, spinnen aus den leeren Kokons das Garn, färben es und verweben es zu Schals und Tüchern. Gesponnen wird mit der Handspindel, gewebt traditionell mit dem Bodenwebstuhl, aber auch vereinzelt mit Schnellschuss-Webstühlen. Aufbauend auf den alten traditionellen Techniken lässt sich durch besseres Arbeitsgerät die Qualität und die Menge der Garne und Stoffe erhöhen. Durch die Einführung des Handspinnrades und des Flying8-Webstuhls werden die Frauen in die Lage versetzt, wie bisher in Heimarbeit die Textilien zu produzieren. Wir helfen ihnen dabei, Produkte entstehen zu lassen, die qualitativ und vom Design auf dem europäischen und indischen Markt verkäuflich sind. Seide ist eine der wertvollsten Fasern, optimal hautverträglich und wird zu Recht die "Königin der Naturfasern" genannt.

 

Bodenwebstuhl
Bodenwebstuhl

Das Projekt

In Zusammenarbeit mit der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) haben wir fünf Arbeitspakete geschnürt. Wir wollen das sehr zeitaufwändige Spinnen mit der Handspindel durch das Spinnen mit dem fußbetriebenen Handspinnrad ersetzen. Um den Engpass "Garnproduktion" zu überwinden, unterstützen wir ein junges Start-up bei der Entwicklung maschinengesponnenen Garns. Wir wollen erreichen, dass die Frauen eine größere Vielfalt der einheimischen Färbepflanzen zur Garnfärbung verwenden, sie ihre Farbpalette erweitern und die Färbungen reproduzierbar sind; durch Trainings im Bau und der Handhabung eines Webstuhls, der besonders für Entwicklungsländer entworfen wurde. Der Flying8-Webstuhl besteht nur aus Holz und kann von jeder Frau selbst gebaut werden. Er ermöglicht ein stressfreies Arbeiten und passt in jede kleine Werkstatt. Er ermöglicht den Frauen, alle Arten von Stoffen in besserer Qualität herzustellen. Und schließlich soll aus den Stoffen einfach geschnittene und gesunde Kleidung für Damen, Herren und Babys entstehen. 

 

Der erste Flying8-Webstuhl
Der erste Flying8-Webstuhl

Die Vision

Meghalaya bietet ideale Voraussetzungen für den Aufbau einer biologischen Seidenzucht.  Sämtliche Verarbeitungsschritte der textilen Kette lassen sich nachhaltig, sozial verträglich und fair im Land durcführen, so dass der Mehrwert den Menschen vor Ort zu Gute kommt. Wir erreichen eine umweltfreundliche und dauerhafte Textilherstellung unter ökologisch unbedenklichen Bedingungen. Wir vermeiden die Verarmung durch mangelnde Einkommensmöglichkeiten für die ländliche Bevölkerung und die Abwanderung in die Städte. Wir erhalten traditionelle Handwerkskunst und bewahren eine einmalige Kultur vor ihrem Zerfall.

 

Es macht mir große Freude zusammen mit den Mitarbeitern der GIZ in Shillong, mit dem Handweber Andreas Möller aus Hamburg, mit dem Pflanzenfärbe-Experten Dick Kaiser, mit Catherine Allié vom Label WE ARE KAL aus Leipzig und den vielen lieben Menschen in Meghalaya an dieser Aufgabe arbeiten zu können.

 

Was Sie tun können

Ich bitte Sie, unsere Initiative zu unterstützen und den Frauen in Meghalaya zu helfen, ihren Lebensunterhalt durch die Seidenproduktion und Textilherstellung zu sichern. Als Hilfe zur Selbsthilfe können Sie

  • mit  50 € einer Spinnerin ein Spinnrad finanzieren,
  • mit 100 € das Material für einen Flying8-Webstuhl spenden oder
  • mit 200 € eine mehrtägige Schulung für mehrere Frauen ermöglichen.

Bitte unterstützen Sie uns bei diesem Projekt!  

 

 

Herzlichen Dank!